Auf den Spuren der Saftmacher

Saftmagazin_Seite_20_1.jpgFruchtsaft ist ein echter Klassiker in unseren Gläsern! Orangensaft zum Frühstück, Apfelsaftschorle nach dem Sport oder ein Glas Multivitaminsaft auf der Couch – in Deutschland lieben wir Saft.
Ganze 30,5 Liter Fruchtsaft und Fruchtnektar wurden 2019 hierzulande pro Kopf getrunken. Damit sind die Deutschen absolute. Saft-Weltmeister! Auf Platz zwei folgt übrigens Norwegen mit großem Abstand: „Nur“ 23,5 Liter Fruchtsaft trinkt man dort pro. Person und Jahr.

Saftmagazin_Seite_20_2.jpgAber war das schon immer so? Der Pro-Kopf-Konsum wird für Fruchtsaft seit etwa 70 Jahren erfasst. In den 1950er Jahren tranken die Deutschen nur 1,9 Liter pro Person, in den 1970ern schon 9,9 Liter. Und 2000 waren es über 40 Liter! Die Ursprünge für diese Entwicklung liegen tatsächlich schon rund 130 Jahre zurück.

 

 

Machen wir uns auf die Spuren der Saftmacher!

 Früchte und dSaftmagazin_Seite_21_1.jpgaraus gepresste Säfte kennen die Menschen in Europa schon lange. Allerdings konnte man den   Saft viele Jahrhunderte lang nicht richtig verarbeiten und vor allem nicht haltbar machen. Denn direkt   gepresster Saft enthält von Natur aus Mikroorganismen und Enzyme, weswegen er schnell verdirbt. Deshalb   wurde Saft früher entweder sofort getrunken oder zu Most vergoren. Most kannten übrigens sogar schon die   Kelten! Und im Mittelalter wurde der alkoholhaltige Most teils als Alternative für Trinkwasser benutzt, das oft   knapp oder verseucht war. Die Folgen liegen da quasi auf der Hand …

 

 

 

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Monsieur Pasteur macht‘s möglich

Doch wie ist nun der rasante Anstieg im Fruchtsaftkonsum seit den 1950er-Jahren zu erklären – der übrigens in ganz Europa zu beobachten ist? Den Grundstein für den saftigen Erfolg legte Louis Pasteur!

Denn auf ihn geht das Pasteurisierungsverfahren zurück. Pasteur war Naturwissenschaftler aus der Nähe von Paris und fand im Jahr 1864 heraus, dass sich die natürlichen Mikroorganismen durch eine kurze Erhitzung außer Gefecht setzen lassen.

 

Müller-Thurgau macht’s noch besser

Mit der Pasteurisierung war der Grundstein für das Haltbarmachen von Lebensmitteln gelegt. Speziell für die Fruchtsaftproduktion adaptiert wurde sie vom Schweizer Prof. Dr. Dr. h. c. Hermann Müller-Thurgau (1850-1927). Er war ein Gegner chemischer Konservierung, weshalb er das Verfahren des schonenden Erhitzens weiterentwickelte.

Mit diesem Prinzip werden Fruchtsäfte nun seit über 100 Jahren haltbar gemacht! Durch eine kurze Erhitzung auf etwa 85 °C werden die Mikroorganismen abgetötet und Enzyme deaktiviert, durch die der Saft schnell verdirbt.

Der Clou: Wertvolle Inhaltsstoffe wie Vitamine werden geschont – und der leckere Geschmack bleibt ebenso erhalten!

Doch damit ist der Saft-Boom seit Mitte des vorigen Jahrhunderts immer noch nicht vollständig erklärt. Schließlich hat es nochmals 100 Jahre gedauert, bis der Fruchtsaft so richtig durchstartete.

 

Profis am Saft Werk

Der große Durchbruch kam mit der Industrialisierung, mit der die Produktion im größeren Stil möglich wurde.

Um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert begannen in Deutschland zehn Betriebe unabhängig voneinander, „Süßmost“ herzustellen. Diese Pionierbetriebe mussten erst einmal Aufklärungsarbeit leisten und anfängliche Skepsis gegenüber dem neuen alkoholfreien Produkt überwinden.

Anders als die Erzeugnisse, die damals als „Fruchtsäfte“ verkauft wurden, war der Süßmost unvergoren, alkoholfrei und ohne Zusätze von Farbstoffen und chemischen Konservierungsmitteln.

So wurde Fruchtsaft immer beliebter, die Anzahl der Keltereien stieg und damit auch das Angebot an Fruchtsäften und -nektaren. Durch diese Wechselwirkung kam es zum Boost im Safttrinken – und heute stellen allein in Deutschland rund 330 Betriebe Fruchtsäfte her und versorgen uns mit Apfelsaft, Orangensaft und Co.

Noch heute wird Fruchtsaft hergestellt wie damals: rein physikalisch, ohne den Einsatz von Farb- oder Konservierungsstoffen.

 

 

Bildnachweise:
 
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